Cherry Servers – Aufbau dezentraler Cloud-Infrastruktur
Lili Hellriegel leitet den Bereich Enterprise Solutions bei Cherry Servers, einem in Litauen ansässigen Bare-Metal-Cloud-Anbieter, der sich als unabhängige, Web3-freundliche Alternative zu den US-amerikanischen Hyperscalern positioniert. Vor ihrer Tätigkeit bei Cherry war Lili Hellriegel Leiterin der Infrastruktur beim Staking-Unternehmen Blockdaemon. Dort baute sie Partnerschaften mit Rechenzentren auf, entwickelte die Netzwerkarchitektur und die Serverspezifikationen für Validierungs-Workloads – eine Erfahrung, die ihr ein außergewöhnliches Verständnis dafür vermittelte, was Krypto-Teams tatsächlich von ihrer Infrastruktur benötigen.
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Die Forderung nach europäischer Infrastruktur war selten so laut wie heute, und Lili argumentiert mit der Überzeugung einer Person, die beide Seiten kennt. Jeder große Hyperscaler – AWS, Google Cloud, Azure, selbst Oracle – ist ein US-amerikanisches Unternehmen, und für eine wachsende Zahl von Web3-Teams ist dies keine neutrale Tatsache mehr. Cherry Servers unterliegt europäischer Rechtsprechung, betreibt ein eigenes Rechenzentrum in Litauen und weitere Rechenzentren in Schweden, den Niederlanden, Deutschland, Chicago, Singapur und einem neu eröffneten Standort in Tokio. Einige Kunden von Cherry Servers kommen aus strengen Compliance-Gründen; andere, so Lili, aus ideologischen Gründen, da sie möchten, dass die von ihnen mitgesicherten Systeme außerhalb des Einflusses einzelner Regierungen liegen. Die Diskussion findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem Datensouveränität und Misstrauen gegenüber der konzentrierten amerikanischen Cloud-Macht von Randthemen zu zentralen Themen in den Chefetagen geworden sind.
Das entscheidendere Argument betrifft die Wirtschaftlichkeit, und Lili ist überzeugt, dass die Branche hier an einem Wendepunkt steht. Sie beschreibt einen Wandel von einem „Cloud-First“- zu einem „Workload-First“-Ansatz: Anstatt sich standardmäßig für einen Hyperscaler zu entscheiden und jede beliebige Instanz zu akzeptieren, die ihnen angeboten wird, stellen Teams, die Archivierungsknoten, Validatoren oder andere Nischen-Workloads betreiben, fest, dass sie mehr bezahlen und eine schlechtere Performance erzielen als mit dedizierter, optimal auf den jeweiligen Auftrag abgestimmter Hardware. Cherrys Lösung ist die detaillierte Anpassung: Sie wählen Ihre Festplatten, Ihren Speicherplatz und Ihren Arbeitsspeicher und zahlen nur für das, was Ihr Workload benötigt. Unterstützt werden sie dabei von Account Managern, die die Infrastruktur konzipieren, anstatt einfach nur eine Hardware zu verkaufen. Der Kundensupport antwortet innerhalb von deutlich weniger als einer Minute. Für Kunden mit hohem Staking-Anteil ist das Modell nahezu selbstfinanzierend: Viele zahlen mit Kryptowährung und nutzen die Staking-Belohnungen, um ihre Infrastruktur auf rund dreißig verschiedenen Blockchains zu finanzieren.
Ihre Prognose für die nächsten 18 bis 24 Monate ist besonders interessant. Lili argumentiert, dass die Ära kostenloser Cloud-Guthaben zu Ende geht – sie bezweifelt, dass AWS Startups weiterhin sechsstellige Kreditbeträge für die Anmeldung zu einem Accelerator-Programm gewähren wird – und dass Gründer, die nun disziplinierter mit ihrer Liquidität umgehen, optimierte Bare-Metal-Server zunehmend als Mittel zur Verlängerung ihrer Laufzeit nutzen werden. In ihrer abschließenden, provokanten Analyse positioniert sie sich als Multi-Chain-„Solana-Maxi“, bezeichnet Bitcoin als dauerhaften Wertspeicher und unterstreicht gleichzeitig das Potenzial kleinerer Chains. Sie präsentiert ein Credo für Entwickler: Der Markt belohnt letztendlich diejenigen, die nützliche Dinge auf der Blockchain entwickeln, nicht diejenigen, die Token rein spekulativ nutzen. Deshalb, fügt sie hinzu, sollten Nutzer ihrer Meinung nach Nodes bei kleineren Anbietern betreiben. Ihr Lieblings-Science-Fiction-Film für die einsame Insel ist natürlich Star Wars.
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